Die Gefahr der Zielkonflikte im EEG 2014

Laut Energieminister Sigmar Gabriel soll die Reform des Erneuerbaren Energiengesetz (EEG) der erster große Schritt für den Neustart der Energiewende sein. Eine wichtige Motivation der Regierung ist dabei nach eigener Aussage für eine bessere Planbarkeit des Ausbaus der Erneuerbaren Energien zu sorgen. Aus diesem Grund gibt es eine ganze Reihen von Korridoren, (Atmenden-)Deckeln und Ziele, welche zum “Erfolg” führen sollen. Das alles klingt auf den ersten Blick vielleicht Vernünftig, aber ist diese Fülle von staatlichen Planvorgaben überhaupt in sich schlüssig?


Ausgangslage, EEG-Ziele & Ausbaukorridore

Im Jahr 2013 erzeugten Erneuerbare Energien (EE) in Deutschland 152 TWh Strom. Bei einem Bruttostromverbrauch von knapp 600 TWh deckten die Erneuerbaren also schon 25,3% des Stromverbrauchs. Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung für das EEG 2014 gibt für das Jahr 2025 das Ziel vor, den Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am Bruttostromverbrauch auf 40 – 45% zu steigern. Legt man wie das Wirtschaftsministerium einen konstanten Stromverbrauch zugrunde *räusper*, müssten die Erneuerbaren Energien im Jahr 2025 also ca. 240-270 TWh Strom liefern.

Um dieses übergeortnete Prozent-Ziel zu Erreichen werden desweiteren folgende technologiespezifischen Ausbaupfade vorgegeben:

  • Windkraft an Land: +2,5 GW Netto-Zubau pro Jahr (also abzüglich des Rückbaus von Altanlagen)
  • Windkraft auf See: Ausbau auf 6,5 GW bis 2020 bzw. 15 GW bis 2030 (also 10-11 GW bis 2025)
  • Photovoltaik: +2,5 GW Brutto-Zubau pro Jahr (bis 52 GW gefördert, danach irgendwie anders…)
  • Biomasse: maximal +0,1 GW Brutto-Zubau pro Jahr

Legt man diesen Ausbaupfad an und geht zudem davon aus, dass die Photovoltaik nach dem erreichen des 52 GW Förderdeckels nurnoch marginal wächst, ergibt sich im Jahr 2025 eine gesamt Leistung von knapp 140 GW.

 
 

Da die einzelnen EE-Technologien naturgemäß sehr unterschiedliche Volllaststunden aufweisen, habe ich die daraus resultierende Stromerzeugung im folgenden Schaubild dargestellt. Für die Wasserkraft und den biogenen Anteil des Hausmülls wurden konstante Werte gemäß der Erzeugung im Jahr 2013 angenommen.

 

Welche Ziele gelten im Zweifel?

Wie man der Projektion der Stromerzeugung deutlich entnehmen kann, würde das stumpfe Befolgen des im Gesetz festgeschriebenen Ausbaupfades den 40-45% Zielkorridor “planmäßig” Übererfüllen. Hier besteht also schon ein grundlegender Zielkonflikt, der in der politischen und öffentlichen Debatte bis jetzt “übersehen” wurde.

Man sollte dazu auch noch bedenken, dass der 240-270 TWh Ziel-Korridor für das Jahr 2025 auf der Annahme beruht, dass der inländische Brutto-Stromverbrauch konstant bleibt, was nicht nur dem Trend der letzten Jahre und den Zielen der Bundesregierung widerspricht. In der aktuellen Leitstudie zur Energiewende aus dem Jahr 2012 wird im Jahr 2025 von einem Stromverbrauch von ca. 550 TWh ausgegangen und laut Dena liegt das Potential der Stromeffizienz bei ca. 420-440 TWh. Es  drängt sich also die Frage auf, welche Ziele des EEG-2014 bei der zu erwartenden Übererfüllung Vorgang haben werden?

Gilt im Zweifel der der Prozent-Plan-Korridor von 40-45% am Brutto-Stromverbrauch (nicht Brutto-Erzeugung!) oder die mit den Ländern im Nahkampf ausgehandelten technologiespezifischen Ausbaukorridore, welche für Netzausbau, Kraftwerksplanung und Industrie-Politik relevanter sind.

Bedenkt man die vielen Vorstöße und Vorschläge aus dem Hause Gabriels, die laut Experten zur allgemeinen Verunsicherung von Investoren und zur Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen von EE-Projekten führen, muss man zur Zeit leider zu der Einschätzung kommen, dass die ausgehandelten Ausbaukorridore nur ein bitteres Plazebo für die Ministerpräsidenten der Länder darstellt. Noch wäre Zeit, der Empfehlung des Umweltbundesamtes zu Folgen und das planlose 40-45% Ziel in ein altbewährtes Mindestziel umzuwandeln.

Mondzahlen in der Energiewende-Debatte